11. Februar 1995, Magazin der Basler Zeitung (Nr. 6)  [Hier klicken für die Zeitungsausgabe des Textes]


Der wahre Tod ist das Vergessen
Serge Klarsfeld, Vichy, Bousquet Ö und Mitterrand
Von Peter Kamber


Frankreich und Auschwitz: Unlängst wurde der 50. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee begangen. Auch französische Juden sind dort umgekommen, darunter viele Kinder. Der Pariser Anwalt Serge Klarsfeld hat ein Denkmal in Form eines Bildbandes für die aus Frankreich deportierten Kinder geschaffen. Der Historiker Peter Kamber sprach mit ihm über diese Aktion wider das Vergessen und ihre Hintergründe.


«Erinnerungsarbeit» nennt es Serge Klarsfeld. Ich sitze ihm gegenüber in einem der alten, eckigen Ledersessel seines Pariser Büros, als er mir ein Exemplar seines Buches «Mémorial des enfants juifs déportés de France» überreicht. Auf über tausend Seiten sind 1500 Fotos von den jüdischen Kindern, die 1942­1944 aus Frankreich deportiert und in den Vernichtungslagern des Dritten Reiches umgebracht worden waren, abgebildet. Unter den 76 000 jüdischen Deportierten aus Frankreich, von denen viele Flüchtlinge waren und aus anderen Ländern stammten, befanden sich 11 000 Kinder, und die allerwenigsten von ihnen kehrten zurück. Von den 4000 beispielsweise, die am 16./17. Juli 1942 im Grossraum Paris ­ mit oder ohne ihre Eltern ­ von der französischen Polizei gefangengenommen und anschliessend den Nazis ausgeliefert wurden, überlebte kein einziges.

Sarah Lichtstein, ein 14jähriges Mädchen, dem an jenem 16. Juli 1942 noch vor dem Abtransport die Flucht aus der Pariser Winterradrennbahn (Vélodrome díHiver, kurz: Velí díHiví) gelang, wo die Arretierten zusammengedrängt wurden, erzählte später: «Auf der Piste, wo gewöhnlich die Rennfahrer ihre Runden drehen, sitzen die Leute verschreckt und orientierungslos auf ihren Koffern. Leute erkennen einander und brechen in Schreie aus, während sie erzählen, was sie während ihrer Festnahme gesehen haben; eine Frau hat sich aus dem 5. Stock gestürzt; ein Mann hat sich erhängt; einer Mutter wurden die Kinder entrissen; auf Leute, die zu fliehen versuchten, wurde geschossen. Ich höre entsetzt zu und sehe, wie auf Tragbahren Kranke, Gelähmte und Amputierte hereingebracht werden. Man hatte uns doch gesagt, wir würden zur Arbeit nach Deutschland geschickt. Wie gedachten sie, diese armen Wesen zu verwenden? (Ö) Die Brutalität der Polizisten ist empörend.» (S.889)

Serge Klarsfeld wurde zusammen mit seiner ­ selber nichtjüdischen, 1960 aus Berlin nach Paris gekommenen ­ Frau Beate Klarsfeld durch spektakuläre Aktionen gegen untergetauchte Nazi-Kriegsverbrecher wie Klaus Barbie in Südamerika, Alois Brunner in Syrien und andere weltweit bekannt. Die Kampagne gegen den ehemaligen propagandistischen Fachmann im NS-Auslandsrundfunk und späteren deutschen Bundeskanzler (1966­69) Kurt Georg Kiesinger war der Anfang ihres gemeinsamen Engagements. Sie begründeten eine Bewegung, aus der 1979 die «Vereinigung der Söhne und Töchter der jüdischen Deportierten aus Frankreich» (FFDJF) hervorging, deren Präsident Serge Klarsfeld ist. Der Rückhalt in dieser Gruppe, der nicht nur bei der riesigen dokumentarischen Arbeit, sondern auch bei Strassenaktionen zu Buche schlägt, ist mit eine Erklärung für die Kraft, mit der Serge Klarsfeld seit über zwanzig Jahren in die intellektuelle Diskussion Frankreichs eingreift.

1978 erschien bereits ein «Memorial», in welchem erstmals die Namen aller unter dem Vichy-Regime deportierten Juden aufgeführt, der genaue Verlauf der Transporte dokumentiert und die Verbrecher gegen die Menschlichkeit in Frankreich namentlich genannt wurden. Der Band war im Hinblick auf den Kölner Prozess (1979/80) gegen Kurt Lischka, Herbert Hagen und Ernst Heinrichsohn erschienen, alles Verantwortliche des Pariser Apparats der NS-Polizei (Sipo-SD). Im Vorwort schrieb Klarsfeld, Ziel ihrer Initiative sei die Erinnerung an die Toten ­ denn der wahre Tod sei erst das Vergessen ­ sowie der Wunsch, «der Straffreiheit» der Täter «ein Ende zu setzen»: «Soll ein solches Leid so viele Unschuldige getroffen haben, ohne dass sich unsere Forderung nach Gerechtigkeit erhebt?» 1983 und 1985 legte Klarsfeld dann in zwei Bänden seine umfangreiche historische Darstellung «Vichy­ Auschwitz» über die Zusammenarbeit der deutschen und französischen Behörden bei der «Endlösung der Judenfrage» in Frankreich vor (dt. Ausgabe 1989). Erst auf heftige Proteste der Bevölkerung und des hohen Klerus hin hatte die Vichy-Regierung ab September 1942 ihre Beihilfe zum Holocaust eingeschränkt.

Gesichter von Kindern

«Es ist nicht möglich, ein solches Buch zu machen und dabei unbeteiligt zu bleiben», sagt Klarsfeld über den Bildband für die deportierten Kinder. Die Nachforschungen und die Suche nach Fotos und Briefen seien sicherlich sehr traurig, bemerkt er weiter. «Aber gleichzeitig ist die Aufgabe selbst nicht eine traurige: Es geht um die Rückerstattung des Lebens, die Wiederherstellung dessen, was vom Leben eines Menschen wiederhergestellt werden kann. Deshalb ist es auch kein Totenbuch, sondern eher ein Buch des Lebens. Diese Kinder wären sonst in die Erinnerungslosigkeit, ins Nichts entschwunden. Nun werden sie nicht verschwinden. Wer ein Gespür für die Geschichte hat und Gefühl für die Opfer, darf sich nicht nur für die Henker interessieren, wie es der Fall sein kann, wenn man Kriegsverbrecher verfolgt. Der Verbrecher erhielte sonst zuviel Bedeutung. Wer ganz auf die Henker fixiert ist, wird gleichsam ebenfalls ihr Opfer. Henker dürfen uns nicht in ihren Bann schlagen. Es sind ihre Opfer, die unser Hauptinteresse verdienen. Der Wille der Henker war, ihre Opfer zu zerstören und jede Erinnerung an ihre Existenz zu vernichten. Dem wollte ich mich entgegenstellen.»

Den Tausenden hingemordeter junger Leben gibt dieses erschütternde «Mémorial des enfants juifs déportés de France» ihr Gesicht zurück ­ da wo Statistiken das Vorstellungsvermögen übersteigen, stehen nun diese Kinderbilder. Es sind Mahnbilder von entsetzlicher Kraft: Die zufällig mit abgebildeten Spielsachen, die Kinderschuhe, Kindersocken, die unwillkürlich unseren Blick auf sich ziehen, das Kinderlachen oder, auf andern Bildern, diese Kinderernsthaftigkeit machen die ganze Wehrlosigkeit erst sichtbar. Was haben diese Kinderaugen danach noch alles sehen, was für ein Bild der Welt mit sich in den Tod nehmen müssen, geht mir durch den Kopf. Zu Hause, beim Durchsehen des Buches, weine ich über diesen Gesichtern und stelle mir nach einer Weile ­ als wollte ich mich vor Emotionen schützen ­ die Frage, ist es legitim, mit Kinderbildern dieser Art Gefühle zu wecken, um mir auch schon im nächsten Augenblick zu sagen, ja, denn an der Rampe in Auschwitz-Birkenau, wohin die Deportationszüge aus Frankreich führten, haben die Nazi-Schergen bei der «Selektion unwerten Lebens» genau diese Gesichter auch gesehen und die Kinder trotzdem in den Tod geschickt.

Ida Fensterszab, die im Alter von 14 Jahren im Februar 1944 mit dem Transport Nr. 68 nach Auschwitz kam und als eines der wenigen Kinder überlebte, gab später an, dass einer der zwei französischen Gendarmen, die sie in einem kleinen Dorf verhaftet und trotz aller Beschwörungen der Nachbarn abgeführt hatten, beim Abmarsch zur Gendarmerie des nächstgrösseren Ortes «sehr stark seufzte und sich den Schweiss von der Stirn wischte»: «Was für eine Drecksarbeit» («Quel sale boulot»), habe er gesagt ­ «aber gemacht hat er sie trotzdem.» Ida war bereits den Nazis überstellt worden, als die Frau aus dem Dorf, bei welcher sie untergekommen war, mit einer eilends vom Dorfpfarrer gefälschten Taufurkunde herbeieilte. Doch der Chef der deutschen Kommandantur «machte sich nur über sie lustig, und fragte sie ironisch: ‹Aber durch wen denn ist sie verhaftet worden? Ah! Durch französische Gendarmen? Ja, in dem Fall kann ich nichts machen!›»

Geschürter Antisemitismus

Gleich nach der deutschen Besetzung Frankreichs begann die NS-Propaganda mit Spruchbändern («Les juifs sont votre malheur») ihre Hetze. Das erste Statut für die Juden, welches ihnen jede öffentliche Tätigkeit in Staat, Lehre, Presse und Kino untersagte, wurde von Marschall Pétain, dem neuen französischen Staatschef, am 3. Oktober 1940 erlassen. Tags darauf wurde ein Erlass veröffentlicht, der die Internierung ausländischer Juden in Lagern vorsah. Ein zweites Judenstatut trat am 2. Juni 1941 in Kraft und schloss die französischen Juden auch aus der Geschäftswelt aus. Bald sollte auch der Zutritt zu öffentlichen Telefonkabinen Juden verboten sein. «Accès interdit aux juifs». Plakate zeigten einen als jüdisch gezeichneten Geier über einer zu Boden geworfenen, in eine Trikolore gehüllten Französin; öffentliche Bekanntmachungen befahlen eine Zählung der Juden, und in den grossen Städten wurde die Wanderausstellung «Le juif et la France» mit grotesken physiognomischen Lehr-Schaukästen gezeigt: «Franzosen, tretet ein (Ö). Sie werden erfahren, warum Ihr Land ruiniert ist und warum so viele einst glückliche Familien leiden und weinen. Sie werden die wahren Verantwortlichen für alle Ihre Übel sehen. Sie werden Ihren ewigen Feind kennenlernen.»

Alle diese Details hatte Klarsfeld 1993 im Hinblick auf den erwarteten Prozess gegen René Bousquet, der als Polizeichef der Vichy-Regierung (1941­43) massgeblich an der Planung und Durchführung der Razzien gegen die Juden beteiligt gewesen war, in einem 1264seitigen, bebilderten «Calendrier de la persécution des Juifs en France, 1940­1944» zusammengetragen.

Doch dann wurde Bousquet am 8. Juni 1993 durch den als eher gestört und äusserst publizitätssüchtig bekannten Christian Didier, der schon den 1987 verurteilten Klaus Barbie und Paul Touvier, den im Frühling 1994 abgeurteilten Nachrichtendienst-Chef der französischen Vichy-Miliz in Lyon, hatte töten wollen, aber keine Gelegenheit dazu erhalten hatte, beim Öffnen der Wohnungstür erschossen Ö

Bärendienst für einen Freund

Der Prozess gegen den obersten Vichy-Publizisten Bousquet war seit der Aufnahme der offiziellen Untersuchung im Juni 1991 von höchster Stelle immer wieder verschleppt worden ­ und zwar im Namen einer etwas voreiligen nationalen Versöhnung auf Anordnungen Mitterrands persönlich: «Absolut, das trifft für diese Art Gerichtsverfahren zu, das heisst für diejenigen, die all die Wunden wieder aufreissen. Dafür übernehme ich die Verantwortung. Es ist meine Pflicht, darüber zu wachen, dass sich die Franzosen nach einer gewissen Zeit wieder versöhnen.» Der französische Präsident hatte dies einer perplexen Öffentlichkeit am 12. September 1993 in einem Interview mit dem zweiten französischen Fernsehprogramm selber offenbart («Le Monde», 14. 9. 1994). Ein Sturm der Entrüstung ging durch Frankreich. Seinem Biographen Pierre Péan («Une jeunesse française») hatte Mitterrand zuvor schon ohne geringstes Zeichen der Distanzierung seine langjährige Freundschaft mit René Bousquet gestanden. Diese umfasste auch Einladungen zu den Mitterrands nach Latche ­ die Zeitung «Libération» druckte in ihrer Samstagsbeilage «Magazine» vom 3. 12. 1994 sogar den Bildbeweis dafür ab ­ und Empfänge im Elysée. 1949 habe er ihn kennengelernt, erst seit 1986 habe er ihn nicht mehr gesehen: «Er war ein Mann mit ausserordentlichem Format (Ö) Ich habe ihn immer gern getroffen. Er hatte nichts mit dem gemein, was man über ihn hat sagen können.» («Une jeunesse française»)

Der Skandal war um so grösser, als seit den Enthüllungen der Zeitschrift «LíExpress» vom 12. 10. 1978 in der Öffentlichkeit die Forderung nach einer Aburteilung Bousquets nicht mehr verstummte. Bousquet verfügte aber zweifellos über die Qualitäten eines Blenders. Aufnahmen aus der Vichy-Zeit zeigen ihn im zivilen Massanzug und mit breitem Grinsen inmitten der SS. Ende Januar 1979 blieb ihm jedoch nichts mehr anderes übrig, als bei der Banque Indo-Suez zu demissionieren, wo er nach einer 1949 erfolgten oberflächlichen gerichtlichen Reinwaschung ungestört Karriere gemacht hatte ­ Karriere auch innerhalb der besten Pariser Gesellschaft und in den Leitungsgremien der Toulouser Tageszeitung «Depêche du Midi», die 1965 die erste Präsidentschaftskandidatur Mitterrands mit 500 000 Franc unterstützt hatte Ö («Le Monde», 9. 9. 1994)

Einzig wegen des Persilscheins von 1949 hatte Serge Klarsfeld erst 1989 gegen den Vichy-Polizeichef Bousquet Anklage erheben können. Denn für die Wiederaufrollung des Prozesses wurde ein kompliziertes Gerichtsverfahren wegen Nichtberücksichtigung wichtiger Beweisstücke erforderlich. Zwischenzeitlich hatte Klarsfeld aber als Anwalt der Familienangehörigen Betroffener am 12. März 1979 einen Stellvertreterprozess gegen Jean Leguay eingeleitet, der in der Vichy-Zeit als Generalsekretär der Polizei die rechte Hand Bousquets gewesen war ­ ein Prozess, den die französische Justiz, die ständigen Eingriffen der Exekutive ausgesetzt ist, aber bis zum Tod Leguays am 2. Juli 1989 verschleppte.

Den Versicherungen des seit 1981 amtierenden Staatspräsidenten Mitterrand über die Ehrenhaftigkeit Bousquets schenkte im Herbst 1994 daher in Frankreich fast niemand Gauben. Ebensowenig übrigens wie Mitterrands Beteuerung, 1942 als getreuer Vichy-Funktionär und Empfänger des Vichy-Verdienstabzeichens in Form einer zweischneidigen gallischen Streitaxt (Francisque) nichts von den Judengesetzen gewusst zu haben, da er zur Zeit dieser Erlasse ­ bis zur 1941 geglückten Flucht ­ noch in deutscher Kriegsgefangenschaft gesteckt habe.

Das Tandem Klarsfeld-Mitterrand

In einem offenen Brief vom 12. September 1994 in der «Libération» hatte Serge Klarsfeld den Präsidenten Mitterrand, der seine öffentliche Laufbahn vor dem Krieg am rechten Rand des Politspektrums begonnen hatte, auch an dessen langjährige unselige Gewohnheit erinnert, auf dem Grab Pétains ­ des Staatschefs von Vichy und Helden des Ersten Weltkriegs ­ einen Kranz niederzulegen. Erst Ende 1992, nach einem heftigen Eklat, hatte das Elysée bekanntgegeben, zukünftig darauf verzichten zu wollen: Mitterrands Kranz war nämlich am 11. 11. 1992 neben denjenigen Le Pens zu stehen gekommen und hatte von einem Präfekten abends heimlich mit dem Hubschrauber auf die Atlantik-Insel Yeu, dem Verbannungsort und der letzten Ruhestätte Pétains, gebracht werden müssen, nachdem Klarsfeld und andere Manifestanten, die die Kranzniederlegung hatten verhindern wollen, mit dem letzten Schiff schon wieder abgezogen waren!

Aber Klarsfeld hielt François Mitterrand in dem offenen Brief bei aller Kritik zugute, dass er, wenn auch «unter Druck», mehr für das Andenken der in Frankreich verfolgten Juden geleistet habe als alle seine Vorgänger im Amt des Staatspräsidenten: neben der Ermöglichung des Barbie-Prozesses und der Schaffung des Gedenkhauses für die «Kinder von Izieu», vor allem durch die Einsetzung des 16. Juli ­ dem Tag des von Bousquet organisierten «Rafle du Velí díHiví» ­ als jährlichem offiziellem Tag, der, wie es im Dekret vom 3. 2. 1993 heisst, «Erinnerung an die Opfer der rassistischen und antisemitischen Verfolgungen und der Verbrechen gegen die Menschlichkeit, welche unter der De-facto-Autorität der sogenannten Regierung des französischen Staates 1940­1944 begangen worden sind».

Klarsfeld und Mitterrand, der dessen Namen im erwähnten Fernsehgespräch mehrmals nannte, bildeten in den vergangenen Jahren trotz heftigster Spannungen nachgerade ein Tandem: aufeinander angewiesen waren beide, und zum Bruch kommen liessen sie es niemals.

Schon die Geschichte hatte sie miteinander verbunden: Mitterrand, der Lernfähige, war im Februar 1943 zu eben dem Résistance-Netz gestossen, in dem auch Serge Klarsfelds Vater Arno arbeitete, bevor dieser am 30. September 1943 von der Gestapo in Nizza verhaftet und am 28. Oktober 1943 vom Ausschaffungslager Drancy vor den Toren von Paris nach Auschwitz deportiert worden war.

Hinter der doppelten Rückwand eines Wandschranks hatte der damals siebenjährige Serge zusammen mit der Mutter und der Schwester die Verhaftung seines Vaters, der nie wieder zurückkehrte, miterlebt. In seinem Plädoyer vom 17. 6. 1987 am Barbie-Prozess in Lyon betonte Serge Klarsfeld, die Juden in Frankreich würden sich «immer daran erinnern», dass sie ihr Überleben der «Sympathie» und «tätigen Solidarität» der französischen Bevölkerung verdankten, «die in dem Augenblick einsetzte, als sie begriffen, dass die in die Hände der Gestapo gefallenen jüdischen Familien dem Tod ausgeliefert waren».


Das «Mémorial des enfants juifs déportés de France» (1944) sowie der «Calendrier de la persécution des juifs en France» (1993) können nur direkt bezogen werden bei: FFDJF; 32, rue de la Boétie, 75008 Paris; Personen, die noch Fotos von Deportierten aus Frankreich besitzen, werden gebeten, über obige Adresse Kontakt mit der FFDJF aufzunehmen.
Im Buchhandel: S. und B. Klarsfeld: «Die Kinder von Izieu», Edition Heinrich, 1991; S. Klarsfeld: «Vichy­Auschwitz», Greno, 1989.

Bilder im Originalartikel:

David und Esther Suissa, mit dem Transport Nr. 77 vom 31. 7. 1944 nach Auschwitz deportiert, er noch nicht ganz siebenjährig, sie fünfjährig.

Francine Beirach: Bei der «Razzia vom Velí díHiví» vom 16./17. 7. 1942 mit den Eltern verhaftet und mit dem Transport Nr. 15 am 5. 8. 1942 nach Auschwitz deportiert.

Bernhard Muljar, als 13jähriger bei der «Razzia vom Velí díHiví» vom 16./17. 7. 1942 mit den Eltern verhaftet und mit dem Transport Nr. 16 am 7. 8. 1942 nach Auschwitz deportiert.

Marceline Kogan, als Zweijährige mit dem Transport Nr. 45 nach Auschwitz deportiert.

Paul Lehmann, als noch nicht ganz Sechsjähriger, mit dem Transport Nr. 71 am 13. 4. 1944 deportiert.

Ida Fensterszab, eine der wenigen Überlebenden, nach ihrer Rückkehr aus Auschwitz.

Aline Korenbajzer, als knapp Dreijährige mit dem Transport Nr. 25 nach Auschwitz deportiert.

Adèle Karpin: Bei der «Razzia vom Velí díHiví» vom 16./17. 7. 1942 verhaftet und mit dem Transport Nr. 22 vom 21. 8. 1942 nach Auschwitz deportiert.

Henriette Hacker, als Dreijährige am 31. 8. 1942 mit dem Transport Nr. 26 nach Auschwitz deportiert.