"Lebensprinzip aller Kunst: uns den Dingen dadurch näher zu bringen, dass sie uns in eine Distanz von ihnen stellt."

(Georg Simmel, Philosophie des Geldes, 1900, S. 537)

 

"Er hatte es wie die meisten andern Leute; er meinte, die Welt wisse nichts von ihm, als was er gut finde, ihr selbst zu sagen."

(Jeremias Gotthelf, Die Käserei in der Vehfreude, 1850 (1984, S. 301

 


 

 

Geboren wurde ich am 15. August 1953 in Zürich und bin auch da aufgewachsen.


1968-1972 besuchte ich die damalige Oberrealschule Zürich (an der einst auch schon Gottfried Keller war), ein Gymnasium mit mathematisch-naturwissenschaftlicher Ausrichtung. Wir lernten in einem Freifach, am Großrechner der ETH-Zürich zu programmieren, der die Ausmaße eines ganzen Zimmers hatte und mit Lochkarten zu füttern war; ich bekam aber stets nur "error"-Meldungen und merkte sehr früh: das ist nicht mein Weg. So sehr mich die Algebra als Denkspiel faszinierte, in der Darstellenden Geometrie, die gegen Ende bereits Stoff des ersten Jahres ETH vorwegnahm, gelangte ich zuletzt eindeutig an meine Grenzen. Ohnehin hatte mich der ausgezeichnete Deutschunterricht unter einem sehr jungen Lehrer (Dr. Armin Meng), der mit uns neben meinem persönlichen Augenöffner Shakespeare auch Brecht und Ingeborg Bachmann las, immer viel mehr interessiert.


Noch faszinierter aber war ich vom Geschichtsunterricht. Da bekamen wir nämlich nach etwa einem Jahr den ebenfalls noch sehr jungen späteren Psychoanalytiker und Ethnopsychoanalytiker Mario Erdheim als Lehrer, der uns Max Weber nahebrachte, mit uns schon Horkheimer las und anlässlich eines Besuchstages eine glänzende Einführung in Michel Foucaults Werk "Überwachen und Strafen" gab. Er hat mich denken gelehrt. Dafür bin ich ihm sehr dankbar. Er bot uns nach dem Abitur auch eine persönliche Studienberatung an. So begann ich, auf seine Anregung hin, querbeet Vorlesungen und Übungen nicht nur in Geschichte, sondern auch Soziologie, Sozialpsychologie und verwandte Fächer zu belegen.


Als im Soziologischen Institut eines Tages alle spontan an eine unbewilligte Protestdemo gegen einen Bombenanschlag in Italien aufbrachen, setzte ich mich auf meine Vespa und fuhr ebenfalls hin. Die Akten, die ich nach der sogenannten Schweizer "Fichen-Affäre" erhielt, zeigen, dass bei dieser Gelegenheit mein erster Eintrag auf einer Karteikarte ("Fiche") bei der Schweizerischen Bundespolizei erfolgte: die Nummer meiner Vespa erlaubte den Rückschluss auf meine Person. Ebenfalls eingetragen wurde, dass ich, als ich meine Rekrutenschule in der damaligen Kaserne Zürich begann, dem "Soldatenkomitee" angehörte, welches für demokratische Rechte in der Armee kämpfte. Als ich eine Unterschriftensammlung machte, in der wir die Freilassung eines wegen einer Bagatelle eingesperrten Mit-Rekruten verlangten, wurde ich vorsorglich festgenommen. Nach fünf Tagen Kasernenhaft wurde ich nur deshalb wieder freigelassen, weil ich Beschwerde gegen einen Leutnant erhoben hatte, der mir unmittelbar vor dieser Verhaftung erklärt hatte, wenn er ich wäre und sich im Spiegel sähe, würde er sich erschießen ... Der militärische Untersuchungsrichter hatte offenbar ein Interesse, die Sache nicht hochkochen zu lassen und bot mir nach langen Verhören, in denen ich keinerlei Aussagen über meine Zughörigkeit zum Soldatenkomitee machte, sondern allgemeinpolitische und philosophische Gespräche führte, einen Ausweg: Ob ich nicht mal mit dem Waffenplatzpsychiater sprechen wolle? Ich verstand den Wink, unterdrückte beim Rorschach-Test alle positiven, poetischen und schönen Assoziationen, und übertrieb stattdessen negative: Monster, Ungeheuer etc. Das ergab das gewünschte Resultat und ich wurde wegen Autoritätsproblemen aus der Armee entlassen.


Die Registrierung dieser Vorfälle (ich war nie in einer Partei) durch die politische Polizei hatte Folgen. Als ich Semesterassistent (sogenannter "freier Tutor") werden sollte, um mit einer Kollegin eine studentische Lehrveranstaltung über "Hexenverfolgungen" abzuhalten, wurde ich kurz vor Semesterbeginn vom Erziehungsdepartement des Kantons Zürich ohne Angabe von Gründen abgelehnt. Dies, obwohl die Professoren unsere Veranstaltung befürwortet hatten. (Sie fand dann doch statt, und meine Kollegin teilte freundlicherweise ihr Honorar mit mir!) Damals gab es noch keine Hochschulautonomie, und vor einigen Jahren gestand mir der damalige kantonale Erziehungsdirektor, Regierungsrat Dr. Alfred Gilgen in einem persönlichen Gespräch, er hätte damals bei allen Anstellungen regelmäßig eine Anfrage an die Politische Polizei des Kantons Zürich gerichtet. Nach eigenem Gutdünken hatte er den in Deutschland gängigen "Radikalenerlass" am Parlament vorbei im Kanton Zürich eingeführt, wenn auch nicht offen, sondern eben stets ohne Angabe von Gründen. Es war noch immer Kalter Krieg, und Dr. Alfred Gilgen hatte kurz vor seiner Wahl als Regierungsrat eine Ausbildung als Generalstabsoffizier begonnen. Geistig und strategisch befand er sich stets im Spiel-Modus der Vorbereitung auf einen neuen Weltkrieg. Das Offizierskorps der Schweizer Armee bildete damals einen Pfeiler des "tiefen Staats", der im Ernstfall auch im Innern schnell Freund und Feind getrennt hätte, und in aller Heimlichkeit schon mal bei Anstellungen mit dem Aussortieren von allzu freien Geistern begann. Auch im Schweizer Bankenwesen hielten sich die Offiziere gegenseitig die Führungsstellen (und die Kredite) zu.


1980 schloss ich in Zürich mein Geschichtsstudium mit einer Lizentiatsarbeit über Hexenverfolgungen im Waadtland ab. Mein Professor schlug mich für die freie Stelle als Assistent an der Forschungsstelle für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Uni Zürich vor. Er hatte in jenem Jahr das Vorschlagsrecht. Aber noch einmal lehnte mich Dr. Alfred Gilgen ab, erneut ohne Angabe von Gründen.


Schon während des Studiums hatte ich an zwei Tagen die Woche (und jeweils einen Monat während der Semesterferien) als Taxichauffeur gearbeitet. Das führte ich nun weiter. Der Vorteil war: Ich kam dabei viel zum Lesen, mochte die Gespräche mit der Kundschaft, bekam Einblicke in ein verborgenes Zürich, nicht so sehr jenes der Vergnügungsindustrie, sondern das des sogenannten Zürichbergs, dem Villenquartier mit Blick auf den See. Und ich konnte ausgiebig Tagebuch schreiben.
Daneben versuchte ich, weiter über die Hexenverfolgungen zu forschen und nahm die Recherchen im Staatsarchiv Bern wieder auf; aber ich ertrug damals die Grausamkeit nicht mehr. Weil ich es zudem als bitteren Mangel empfand, mich nicht mehr mit Philosophie befasst zu haben, begann ich an der Uni Zürich ein Nachdiplomstudium, unter anderem bei Professor Hermann Lübbe. Nachts und an den Wochenenden fuhr ich Taxi; einen Sommer lang kellnerte ich bei schönem Wetter am Zürichsee und meldete mich nur bei schlechtem Wetter zum Taxi-Nachtdienst. In der freien Zeit aber las ich Wittgenstein, Plato, Clausewitz und wollte über Nietzsche schreiben – so sehr ich aber die analytische Philosophie bei ihm schätzte, sein Spätwerk psychologisch zu entschlüsseln wollte mir nicht gelingen.


1983/84 arbeitete ich dann ein Jahr in Lausanne als Internatslehrer in der "Ecole Nouvelle" (nachdem ich dort schon einmal 1979 zwecks Archivstudien gewohnt hatte). 1994 zog ich für ein Jahr nach Bern. Im Rahmen eines Nationalfondsprojekts zum Thema "Bäuerliche Reformation" war mir eine Halbtagsstelle als Forschungsassistent angeboten worden. Die nahm ich gerne an. Der Kanton Bern hatte keine Vorbehalte. Von 1984 bis 1987 widmete ich mich diesem wissenschaftlichen Projekt. Nach einem Jahr verlegte ich meinen Wohnsitz wieder nach Zürich zurück, da ich die Aufgabe erhielt, speziell die Bauernaufstände während der Zürcher Reformation zu untersuchen. Daraus erwuchs mein Dissertation. Bis 1987 verbrachte ich damals täglich meine Zeit im Staatsarchiv Zürich. Manchmal schweifte ich ab, und eine Prozessakte, die nichts mit meinem Thema zu tun hatte, zog meine Aufmerksamkeit auf sich, dass daraus eine kleine Erzählung entstand. Nebenher besuchte ich zwei Semester lang einen Grundkurs für Altgriechisch. Der Wissenschaftsphilosoph Paul Feyerabend hatte in seinen Vorlesungen an der ETH Zürich dazu ermuntert.


In jenen Jahren entstanden eine ganze Reihe Kurzgeschichten, darunter eben auch einige, die auf historischem Material beruhten. Sie wurden in Zeitschriften und Zeitungen veröffentlicht. Ebenfalls in jenen 1980-er Jahren schrieb ich mein erstes Theaterstück. Es trägt den Titel "aussterben". Für diesen Stoff hatte ich Ende 1981, Anfang 1982 zweieinhalb Monate in New York und Washington D.C. recherchiert (und darüber im Magazin der "Weltwoche" zwei Reportagen verfasst). Dieses "huis-clos"-Endspiel in einem Atombunker blieb unaufgeführt – als es 1989 endlich fertig war, schienen die Gefahren des Kalten Krieges auf einen Schlag gebannt und Spielszenen über den Wahn der "Mutual Assured Destruction" (MAD) ein obsoletes Gespinst der Vergangenheit. 1990 erschien im Limmat Verlag Zürich mein erstes Buch "Geschichte zweier Leben - Wladimir Rosenbaum und Aline Valangin". Es ist die Biografie eines Advokaten und einer Schriftstellerin, die in den dreißiger Jahren in Zürich einen berühmten Salon führten. In der vierten Auflage erschien es 2000 in einer Hardvover-Ausgabe mit einem ergänzenden Kapitel (neuaufgelegt 2002; Lizenzausgabe bei der Büchergilde Gutenberg, 2002). Meine Dissertation über Bauernaufstände in der Zürcher Reformation wurde 1991 fertig und angenommen. Etliche Male überarbeitet erschien sie 2010 im Chronos Verlag Zürich unter dem Titel: "Reformation als bäuerliche Revolution. Bildersturm, Klosterbesetzungen und Kampf gegen die Leibeigenschaft in Zürich zur Zeit der Reformation (1522-1525)". 1991 bis 1994 lebte ich mehrheitlich in Paris. Seit den Studienjahren betätigte ich mich immer wieder als freier Journalist, zuerst im "Volksrecht", dann in der (damals noch weltoffenen) "Weltwoche", im Magazin des "Tages-Anzeigers" und in der "WochenZeitung" sowie im Magazin der "Basler Zeitung", später auch im "Kleinen Bund", der Wochenendbeilage der Tageszeitung "Der Bund" (Bern). In den neunziger Jahren war ich eine Zeitlang freier Mitarbeiter beim damaligen Süddeutschen Rundfunk (S2 Kultur), der inzwischen durch Fusion mit dem Südwestfunk im Südwestrundfunk (SWR) aufgegangen ist. Für diesen Sender schrieb ich damals neun einstündige Radioessays: über Michel Foucaults Tod, über Urbanität, über den Schmerz, über Grausamkeit, über den Zufall, über Selbstmord- und Brückengeschichten in Bern, über den Nachrichtenspezialisten des Zweiten Weltkriegs Rudolf Roessler, über die Judenverfolgungen in der Schweiz im 14. Jahrhundert und zuletzt über das Verhältnis der Schweiz zu ihrer Geschichte. 1993 veröffentlichte ich im Rotpunktverlag in Zürich mein zweites Buch "Schüsse auf die Befreier", welches sich mit der Haltung der Schweiz gegenüber den Alliierten während des Zweiten Weltkriegs befasst. Mein zweites Stück, der Theatermonolog "Leidenberg, Nicolas", entstand 1993/94, noch in Paris, und zwar als persönliche Reaktion auf den Tod von Niklaus Meienberg. Der Text wurde 1996 am Berner Theaterfestival "auawirleben" gelesen und im Dezember 1998 in Bern erstmals ausschnittweise aufgeführt, und zwar in einer vom "Berner Autorenprojekt" (Alexander Sury, Wolfgang Häntsch) besorgten Montage mit einer Geschichte von Urs Richle und einem Stück von Werner Wüthrich ("Happy in Dorado City"). Als "Szenisch-musikalische Lesung in 9 Bildern" hatte "Leidenberg, Nicolas" dann am 24. Oktober 2001 im "sogar theater" (Peter Brunner; Josefstrasse 106, 8005 Zürich) die eigentliche Uraufführung, inszeniert von Otto Edelmann zu Musik von Christian Kuntner (Endregie: Helmut Vogel; weitere Aufführungen: Freitag/Samstag 26./27. Oktober 2001 abends; Sonntag 28. Oktober als Matinée; Donnerstag bis Samstag 1. - 3. November 2001 abends). 

 

Als ich 1994 aus Frankreich zurückkehrte, suchte ich eine Aufenthaltsmöglichkeit in Bern, im Hinblick auf einen Roman über die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg. Für die Recherchen benötigte ich das Schweizerische Bundesarchiv in Bern, und ich wusste, es würde eine jahrelange Beschäftigung werden. Zunächst entstanden nur journalistische Texte. Von 1994 bis 1999 lebte und arbeitete ich in der Region Bern. In Burgdorf, am Eingang des Emmentals, fand ich eine Rückzugsmöglichkeit in Form eines Atelier- und Schreibraumes in einer alten, ehemaligen Fabrik. Zu der Zeit arbeiteten auch die Kunstmaler Martin Fivian und Hans Stalder da, später auch die Kunstmalerin Mirjam Helfenberger. 1996 besorgte ich für die Studienbibliothek zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Zürich, im Rotpunktverlag die Veröffentlichung der autobiographischen Texte des Schriftstellers, Schauspielers, Kabarettisten und Regisseurs C. F. Vaucher: "Charles Ferdinand Vaucher, Aus meiner linken Schublade. Erzählungen eines Lebens. Mit Zwischentexten von Peter Kamber". Danach unternahm ich im Sommer 1996 ausgedehnte Recherchen in Los Angeles für einen Roman zum Thema künstliches Leben, der in Hollywood spielt. Die Niederschrift beendete ich von August bis Oktober 1997 in Berlin. Der Roman blieb bislang ein Fragment; ich will ihn noch um einen zweiten Teil erweitern. 1998 erschien im Arche Verlag Zürich/Hamburg der Buch-Essay Titel "Ach, die Schweiz ... Über einen Kleinstaat in Erklärungsnöten". Es handelte sich um eine Art Tagebuch jenes nunmehr bereits selbst Geschichte gewordenen, in Sachen Erinnerungsarbeit entscheidenden Jahres. 1997 begann die eigentliche Arbeit an dem ersten Roman "Geheime Agentin", der 2010 im Verlag BasisDruck in Berlin erschien (ursprünglicher Arbeitstitel war "Echtheit der Gefühle"): ein historischer Roman über die internationale Geheimdienstszene während des Zweiten Weltkriegs in der Schweiz und über die Wahrnehmung des deutschen Widerstands durch die Alliierten (Rezensionen und umfangreiche Anmerkungen auf www.geheimeagentin.de). Schon im Sommer/Herbst 1997 verbrachte ich für dieses Buchprojekt mehrere Monate in Berlin und zog für die Zeit von Herbst 1999 bis Januar 2002 ganz dahin, dank eines Stipendiums der Stiftung für kulturelle, soziale und humanitäre Intitiativen des 2016 – viel zu früh – verstorbenen Daniel Glass. Der Förderung durch ihn und seine Frau verdanke ich viel. Anfang 2002 kehrte ich in meine Atelierräume Burgdorf zurück, um weiter an dem Romanmanuskript zu arbeiten. Von März 2003 bis März 2004 war ich Stipendiat der Stiftung Lydia Eymann in Langenthal/Schweiz, inoffiziell so genannter "Stadtliterat" von Langenthal. Der Roman wurde nach über acht Jahren Arbeit 2006 in Zürich fertig.


2007 durfte ich im Rahmen des Kino-Stoffentwicklungsprogramms von FOCAL, der "Stiftung Weiterbildung Film und Audiovision" in der Schweiz, eine Komödien-Idee zu einem Drehbuch entwickeln: "60 Monde" ist eine Fruchtbarkeitskomödie zum Thema Eizellen- und Samenspende (und noch unverfilmt). Seit Dezember 2007 lebe ich wieder in Berlin (nur zwischen Februar 2013 und Dezember 2015 war ich längere Zeit in der Schweiz, wegen der Recherchen für einen Roman über das Ende der Hexenverfolgungen im Alten Bern). Im Sommer 2010 entstand mein drittes Stück – die Theaterkomödie "Daniel, Traumdeuter" über einen Psychoanalytiker, der sich auf einer Ferienreise in Ostjerusalem plötzlich für den Traumdeuter am Hof von Nebukadnezar hält. Herbst 2011 schrieb ich die Theaterkomödie "Schande über Romeo", eine umgekehrte Romeo-und-Julia-Geschichte, in der diesemal nicht wie im Original ein junges Paar durch Ältere sondern ein älteres Liebespaar durch Jüngere getrennt werden soll, was dann aber selbstredend nicht gelingen darf. Im Frühjahr 2013 beendete ich die erste Fassung eines Romans über die Konflikte während der Zürcher Reformation. Hauptfigur ist einer der Anführer der Täufer, der junge Conrad Grebel. Auf der Flucht stirbt er an der Pest. Damit beginnt die Handlung. Erzählt wird in Rückblenden aus der Perspektive von Conrad Grebels Schwester Barbara. Der Roman bildet den ersten Band in einem "Fundamentalismus"-Projekt (Rechte bei der Liepman Agency Zürich).


Ebenfalls 2013 entstand auf Grund einer spontanen Idee ein Berlin-Emmental-Romans rund um Tango, Salons, Proust, Baudelaire, Schweizer Rohstoff-Umgehungsgeschäfte und Folklore, am Beispiel des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests in Burgdorf 2013. Im Oktober/November 2015 überarbeitete ich das Manuskript noch einmal gründlich (seit August 2016 ist er online).


Ende 2014 folgte der Abschluss einer langjährigen biografischen Arbeit über die Berliner Theaterdirektoren Fritz und Alfred Rotter. Das Buch ist noch ungedruckt. Neben dem allem trieb ich die Forschungen für einen Roman über das Ende der Hexenverfolgungen im Alten Bern voran. Wieder war ich fast an allen Öffnungstagen im Staatsarchiv Bern, wie schon während meiner Lizentiatsarbeit. Im Vordergrund standen aber diesmal die Gründe für das Ende der Hexenverfolgungen und die Geburt der Skepsis innerhalb eines fast undurchdringlichen fundamentalistischen Denk- und Vorstellungssystems.


Im Frühjahr 2015 entstand außerdem das Theaterstück „Alkestis wird leben“ (nach Euripides) und im Sommer 2015 die Theaterkomödie "Geld hat man zu haben".


Im Dezember 2015 beendete ich den Forschungsaufenthalt in der Schweiz und kehrte nach Berlin zurück. Ende Juni 2016 löste ich auch mein Schreibatelier in Burgdorf, Emmental, auf. Bis Ende 2016/Anfang 2017 möchte die erste Version des Romans über das Ende der Hexenverfolgungen fertigstellen. Die Handlung spielt wie gesagt in Bern, in der Zeit zwischen 1651 und der Hinrichtung der letzten Hexe 1679 – einer Frau in einem Weinbauerndorf über dem Genfersee. Von ihr ist bekannt, dass sie 70 bis 80 Jahre alt war. Es brauchte fast drei Jahrzehnte von den ersten Zweifeln bis zur Entwicklung jener medizinischen, juristischen und theologischen Bedenken, die endlich das Ende der Hexenverbrennungen herbeiführten.


Mich interessiert dieser Prozess der Herausbildung einer Rationalität bzw. eines Wirklichkeitssinns und eines Vernunftsgebrauchs vor der Aufklärung. Denn die Hexenverfolgungen hören auf, obwohl die Leute weiter an die Existenz eines Teufels und an die Möglichkeit der Magie glauben. Und das beweist: Es gibt selbst in einem irrationalen System Kammern der Rationalität. Das Denken hat überall eine Chance. Dieser Befund scheint mir von höchster Aktualität. Es wird von traditionalistischen Kulturen vorschnell verlangt, sie müssten gleich auf Anhieb den Sprung in die "Aufklärung" schaffen; dabei wird vergessen, dass für "uns" in Europa der Rationalismus (in der Mathematik, der Jurisprudenz, in der Medizin usw.) bis weit ins 18., ja, sogar noch bis ins 19. Jahrhundert hinein viel bestimmender war als die "Aufklärung" im eigentlichen Sinn, die zuerst nur wenige Intellektuelle erfasste. (Der Roman bildet, obwohl ein eigenständiges Werk, den zweiten Band meines Projekts über die "Fundamentalismen" der europäisch-westlichen Kultur.)
 

e-mail: peterkamber(at)web.de

 

 

 


nach oben

Website Security Testvulnerability check  parasites check