- Für Rolf und Kerstin, in Dankbarkeit -


Jemand hat einen Murks gemacht. Ich sehe die Welt von unten. Den Schraubenschlüssel in der Hand, arbeite ich auf bedrückend engem Raum, bei Kunstlicht auf hartem, kalten Boden, den Kopf wegen des Drecks, der herumliegt, leicht angehoben. Das Werkzeug rutscht immer wieder ab. Eine Strafarbeit beinahe. Ich wollte doch keine Aufträge mehr annehmen. Ich hatte es ihr versprochen. Das Blut, das die Arme hochsteigen muss, beginnt zu revoltieren. Ich drehe und drehe – und es geht nicht. Ich darf nicht locker lassen. Wenn ich es nicht schaffe, bekommt es auch niemand anders hin.

In meinen Gedanken zaubere ich mich weg von hier: Vor mir liegt der grün umrandete See. Ja, und ich bin mit ihr auf dem Boot. Ich spüre noch ihren Kuss. Das verleiht meiner Träumerei erst die Wirklichkeit. Wie viele Minuten ist das her? Die Mittagspause fällt bei mir leicht mal erst in die Mitte des Nachmittags. Wir haben es selbst gebaut. Ein Floß, nur für uns zwei, mit einem Ruderpaar und einem Fahrradantrieb, der auf eine Schiffsschraube unter dem Holzgeflecht und den zusätzlichen Auftriebskörpern geht. Wie frisch und klar die Luft sein kann, und womit wir uns in der Stadt zufrieden geben müssen!

Ich greife zur elektrischen Trennscheibe und setze die Plastikschutzbrille auf. Schlimmer als der ohrenbetäubende Lärm ist der Geruch des heiß durchtrennten Kunststoffs und Stahls. Kurze Sekunden das Gefühl des Erstickens. Wenn du auf der Autobahn als Letztes wirre Bremslichter im dunkeln Regen aufleuchten siehst, ehe du durch die Nacht deines Bewusstseins diesen kreischenden Ton hörst und beißenden Geruch wahrnimmst – die Kollegen und Kolleginnen der Rettung verfügen über Maschinen noch größeren Kalibers –, dann weißt du, dass du etwas entsetzlich falsch gemacht hast, und kannst nur auf das an den Flügelschlag von Engeln erinnernde, langsam herannahende und sich von oben herabsenkende Geräusch von Rotorblättern hoffen, und darauf, dass sie unter den Operationslampen alle Teile wiederfinden, um dich zusammenzuflicken. Ich werde, wenn ich nächstes Mal zur Mecklenburgischen Seenplatte fahre, auf genügend Abstand achten, keine Pizza am Lenkrad futtern und und und ...

Langsam winde ich mich aus dem Winkel heraus, schaue, dass ich mir nicht den Kopf stoße, während ich mich erhebe. Wie lange ist es nicht her! Den ganzen Sommer keinen Urlaub gehabt, das Floßboot in Einzelteilen in einer Scheune eingelagert. Aber es ist real, kein bloßer Traum. Wir haben auf ihm geschlafen, unter einer vom Bug bis zum Heck gespannten Zeltplane. Auf sanft schaukelnden Wellen. Und es gibt Planskizzen für eine verbesserte Version. Definitiv: Alles lässt sich verbessern. Es ist so unnötig, Murks abzuliefern. Ich glaube an Perfektion. Nur nicht am falschen Ende sparen. Sich die Zeit nehmen. Für Luft. Für Atem. Für Küsse. Für die Weite. Den Blick auf Größeres. Das Ganze.

 

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